Farbenpalette

Wo der Deutsche alles in den Keller schleppt zur Aufbewahrung von Dingen die man momentan oder überhaupt nicht mehr braucht, schleppen wir Texaner alles auf den Dachboden. Keller gibts in Texas nicht.

Beim Aufräumen des besagten Dachbodens entdeckte ich eine Kiste mit Wintersachen von mir. Oh war die Freude groß! Im normalen Winter haben wir vielleicht mal zwei oder drei Nächte mit Minusgraden. Da braucht mach nicht viele dicke Pullover und eine große Anzahl von denen ist vor einem Jahr in die Spende gegangen. Aber dieser Winter ist wirklich außergewöhnlich. Oft kriecht das Thermometer am Tag gerade mal bis 2 Grad Celsius hoch und in der Nacht hatten wir öfter mal -6 Grad Celsius. Also war es eine schöne Überraschung als ich die Kiste öffnete und sich blaue, lila, violette, und weiße Winterpullover zur Schau stellten.

Aber die Freude war bald verflogen. In der folgenden Woche fand ich mich seit langem mal wieder minutenlang vorm Kleiderschrank um zu entscheiden, welches dieser farbfreudigen Stücke mit welchem Schal oder Weste passt, und ich mehrmals überprüfen musste ob sich die Farben auch nicht beißen.

Als ich letztes Jahr meinen Kleiderschrank ausräumte, habe ich bewusst die Farbe Blau von meiner Garderobe entfern. Braun hat sich übers Jahr auch langsam entfernt. Schwarz, weiß, und grau ist meine „Grundausstattung“ und die Farbtupfer kommen von meinen Tüchern und Schals. Ich kann ohne groß zu überlegen am Morgen jegliches Oberteil mit jeglicher Hose auswählen und alles passt zusammen, mein ein Paar schwarze Schuhe einbegriffen. Die Farbe kommt vom Tuch oder Schal und da alle Farben zu schwarz, grau und weiß passen, kann ich jeglichen Schal und Farbe, wie es mir gerade gefällt, flux um den Hals binden – fertig!

Ist es eine Aufopferung die reiche Farbenpalette aufzugeben? Oder ist es eine Aufopferung täglich Zeit und Nerven zu verlieren bei der großen Auswahl?

Es gibt da keine richtige oder falsche Antwort. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber für mich selbst ist die Antwort, dass ich lieber Farben als Zeit und Nerven aufgebe.

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Meine Trommel Spielt einen Anderen Marsch

Dieser Beitrag ist meiner Freundin Anja Z. gewidmet. Sie gab mir Anregung zu diesem Artikel mit ihrer Frage, „Wie sieht deine Familie das ganze? Ist es für deine Tochter nicht schwer sich gegen den Strom zu stellen?“

Minimalismus ist nicht jedermanns Sache. Für manche Menschen ist es eine bewusste Entscheidung ihren Lebensstil zu ändern. Andere finden sich in einer Situation welche sie zwingt, ihren materiellen Besitztum und auch Wohnraum zu reduzieren.

Egal was der Grund für einen minimalistischen Lebensstil ist, nicht jedes Familienmitglied ist zur selben Zeit bereit den Schritt zu machen oder hat das selbe Tempo auf dem Weg zum Minimalismus.

In unserer Familie war es eine bewusste Entscheidung meinerseits. Kleidungsstücke und Haushaltsartikel waren für mich am leichtesten und daher der Anfangspunkt. Alles andere purtzelte dann so hinterher.

Mein Mann hat generell kaum Anklang an Dinge und daher fiel es ihm leicht zu folgen. (Mal abgesehen von Schrauben und ähnlichem Kleinkram; schliesslich weiss man ja nie wann man’s mal braucht.)

Mit Kindern ist es schwieriger. Meine Tochter und ich unterhalten uns oft wie ich schon wieder einen Sack oder eine Kiste zur Spende gebracht habe. Ich erzähle ihr, wie der verringerte Besitztum mir mehr Freiheiten gibt:

  • Weniger was aufgeräumt und organisiert werden muss
  • Weniger was ersetzt werden muss
  • Die Fähigkeit „Nein“ zu sagen zu den neuesten Artikeln die in der Werbung angeboten werden

Ich brauchte meine Tochter nicht zwingen zu minimalisieren. Irgendwann fing sie von alleine an, ihre Schränke auszuräumen. Sicher fiel es ihr schwer, sich von manchem Kindheitsspielzeug zu trennen. Zum Glück haben wir sie nie mit Spielsachen überschüttet, so dass sie weniger zum aussortieren hatte.

Ich habe sie alleine wählen lassen was bleibt und was geht.

Ansporn für sie war auch der Gedanke, dass sie nächstes Jahr zum Studium geht und viele dieser Sachen auf keinen Fall mitnehemen wird.

Wie bei mir die Schals und bei meinem Mann die Schrauben unangreifbar sind, gibt es für unsere Tochter eine Grossfamilie von Plüschtieren. Von manchen wird sie sich nie trennen und das ist auch gut so. Für die meisten hat sie aber schon Pläne für ein neues zu Hause.

Man kann andere nicht zwingen, einen minimalistischen Lebensstil anzunehmen und man kann, und sollte, auch nicht versuchen, andere davon zu überzeugen dass es die beste Lebensweise ist. Ich teile gerne meine positiven Auswirkungen des Minimalismus mit. Aber im Endeffekt muss jeder für sich selbst wählen welche Lebensweise ihn glücklich und zufrieden macht.

Hinterlasst hier Fragen und Kommentare; das ist für mich und Euch Gedankenfutter.

Nur drei Löffel?

Na ganz so extrem ist es nicht. Aber mein Haushalt ist essentiell auf drei Personen eingerichtet und wir haben selten Besuch. Als mein Bruder und seine Frau uns dieses Jahr besuchten, hat mein Bruder gefragt warum wir denn so wenig Besteck hätten. Meine Kurtzantwort war, „weniger Arbeit“. Das ergab für ihn wenig Sinn; schließlich muss man doch genau so viel abwaschen. Damit hat er ja auch Recht.

Die bessere Erklärung ist diese:
Wenn wir weniger [Besteck] (füge jeglichen materiellen Besitztum hier ein) besitzen, dann brauchen wir weniger Platz um [das Besteck] aufzubewahren. Je weniger Platz wir brauchen und je geringer die Stückzahl, um so weniger müssen wir in Ordnung halten. Und wenn die Zeit kommt es zu ersetzen, geben wir weniger Geld aus für die geringere Stückzahl oder kaufen bessere Qualität für die selbe Summe. Durch die bessere Qualität hält es länger und muss nicht so bald ersetzt werden.

Fazit: Je weniger man besitzt um so mehr Zeit und Geld hat man für die Dinge die wirklich zählen.