Ein Schwarzes Paar

  • Blusen müssen farblich zu den Hosen passen
  • Hosen müssen zu den Socken passen
  • Socken zu den Schuhen
  • Schwarz, braun, blau gehören nicht zusammen
  • Punkte, Streifen, und Kariert auch nicht

Mit diesen Kleidergesetzen bin ich zumindest aufgewachsen. Obwohl die Fashion Police das heute etwas anders sieht, bei mir ist das in der Festplatte unlöschbar eingebrannt.

Mein Hintern drückt den größten Teil des Tages eine Delle in meinen bequemen Stuhl. Aber ich verbringe auch täglich Zeit in der Fabrik. Manchmal bin ich den ganzen Tag auf Beton unterwegs. Da drücken meine Füße Dellen in meine Schuhe.

Schnellkurs in Physik: Da die Fläche meiner Füße geringer ist als die meines Hinterns, wird das ganze Körpergewicht auf eine relativ kleine Fläche konzentriert und verursacht daher größeren Druck.

Logischer Weise sollten die Schuhe bequemer als der Stuhl sein. Jahrelang habe ich haufensweise aller sechs Monate billige Schuhe ($12-$20) in allen Farben gekauft damit sie farblich zu den Socken und diese wiederum zu den Hosen passen – schwarze, blaue, braune, graue, rote, weiße, sogar pink.

Irgendwann habe ich dem Druck meiner Füße nachgegeben. Ich habe Keen Schuhe entdeckt und meine Füße danken mir. Das Paar kostet über $100, ein Preis an dem ich erstmal kauen musste. Aber mit der Reduzierung meiner Farbenpalette entschied ich mich für ein schlichtes schwarzes Paar und trage sie jeden Tag. Als ich merkte, dass das Material der Innensohle anfing zu zerfallen, habe ich mich durchgerungen die alten Treter für ein neues Paar einzutauschen. Bei der Bestellung stellet ich fest, dass ich das letzte Paar vor genau zwei Jahren gekauft hatte.

$120
730 Tage
Keine Qual der Wahl am Morgen
Platz im Kleiderschrank
Gesunde Füße
Alles das wegen einem schwarzen Paar!

Schnellkurs in Mathematik: Rechne selbst aus wieviel Geld, Platz und Zeit ich gespart habe.

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Farbenpalette

Wo der Deutsche alles in den Keller schleppt zur Aufbewahrung von Dingen die man momentan oder überhaupt nicht mehr braucht, schleppen wir Texaner alles auf den Dachboden. Keller gibts in Texas nicht.

Beim Aufräumen des besagten Dachbodens entdeckte ich eine Kiste mit Wintersachen von mir. Oh war die Freude groß! Im normalen Winter haben wir vielleicht mal zwei oder drei Nächte mit Minusgraden. Da braucht mach nicht viele dicke Pullover und eine große Anzahl von denen ist vor einem Jahr in die Spende gegangen. Aber dieser Winter ist wirklich außergewöhnlich. Oft kriecht das Thermometer am Tag gerade mal bis 2 Grad Celsius hoch und in der Nacht hatten wir öfter mal -6 Grad Celsius. Also war es eine schöne Überraschung als ich die Kiste öffnete und sich blaue, lila, violette, und weiße Winterpullover zur Schau stellten.

Aber die Freude war bald verflogen. In der folgenden Woche fand ich mich seit langem mal wieder minutenlang vorm Kleiderschrank um zu entscheiden, welches dieser farbfreudigen Stücke mit welchem Schal oder Weste passt, und ich mehrmals überprüfen musste ob sich die Farben auch nicht beißen.

Als ich letztes Jahr meinen Kleiderschrank ausräumte, habe ich bewusst die Farbe Blau von meiner Garderobe entfern. Braun hat sich übers Jahr auch langsam entfernt. Schwarz, weiß, und grau ist meine „Grundausstattung“ und die Farbtupfer kommen von meinen Tüchern und Schals. Ich kann ohne groß zu überlegen am Morgen jegliches Oberteil mit jeglicher Hose auswählen und alles passt zusammen, mein ein Paar schwarze Schuhe einbegriffen. Die Farbe kommt vom Tuch oder Schal und da alle Farben zu schwarz, grau und weiß passen, kann ich jeglichen Schal und Farbe, wie es mir gerade gefällt, flux um den Hals binden – fertig!

Ist es eine Aufopferung die reiche Farbenpalette aufzugeben? Oder ist es eine Aufopferung täglich Zeit und Nerven zu verlieren bei der großen Auswahl?

Es gibt da keine richtige oder falsche Antwort. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber für mich selbst ist die Antwort, dass ich lieber Farben als Zeit und Nerven aufgebe.

Who is the Grinch?

I am the Grinch!

(Dieser Artikel ist meinen Eltern gewidmet die mit über 60 Jahren und so gut wie ohne Englischkenntnisse allein zur Weihnachtszeit in Texas einkaufen gehen.)

Ja, ich bin der Grinch (oder die Grinchin). Nicht weil mein Gesicht grün ist, oder weil ich mich weigere mich an der Weihnachtshektik zu beteiligen, oder weil es bei uns keine Geschenke zu Weihnachten gibt (nicht 100% dieses Jahr)

Unsere Tochter hat sich eine Bücherserie gewünscht, die ich via Internet in der örtlichen Buchhandlung reserviert habe und dann ein paar Tage vor Weihnachten dort abgeholt habe. Wie in manchen anderen Geschäften, besonders im Weihnachtstrubel, sind mehrere Kassen besetzt, die Kunden stehen in einer Schlange an, und werden dann zur nächsten freien Kasse gerufen. So auch in der Buchhandlung.

Vier Kassen sind besetzt. Vor mir zwei Kunden und hinter mir vielleicht fünf oder sechs. Eine Kasse wird frei und ehe die Kassiererin den nächsten Kunden rufen kann, stellt sich von der Seite eine ältere Dame hin, legt zwei Bücher auf den Tresen und schaut ganz verwirrt als sie die Kassiererin weg weist. Verwirrt schaut sie in die Richtung in welche deren Finger zeigt. Ihre Augen irren über die Schlange von Menschen. Langsam nimmt sie ihre zwei Bücher vom Tresen und stellt sich hinten an.

“Ach, was bildet die sich denn ein?!” hallt es vor mir. Hinter mir klingt: “Können die so kurz vor Weihnachten nicht mehr Kassen aufmachen?!” Weiter tönt es in der Schlange wie ungeduldig man ist und wie eilig man es hätte.

Wenige Minuten später bin ich dran. Ich trete an die freie Kasse, bitte die Kassiererin um einen Moment Geduld, und gebe der älteren Dame meinen Platz. Ich stelle mich hinten wieder an. Als wir uns bei dem Wechsel begegnen, die Dame immer noch oder wieder verwirrt, tauschen wir ein Lächeln und wünschen uns gegenseitig Frohe Weihnachten. In der Schlange hört sich’s an wie Leise rieselt der Schnee.

Weniger als fünf Minuten später bin ich wieder fast vorn. Die Kundin vor mir ist dran, dreht sich mir zu, und lässt mich vorgehen. Auch wir tauschen ein Lächeln und wünschen uns gegenseitig Frohe Weihnachten.

Ich weiß nicht warum sich die ältere Dame einfach an die frei gewordene Kasse gestellt hat. Was ich aber weiß, ist dass jeder Mensch eine Geschichte hat die niemand anderes je voll kennt.

Ehe man beginnt seine Mitmenschen zu beurteilen und gar zu verurteilen, sollte man sich in die eigene Seele schauen, sein Herz öffnen, und Rücksicht, Güte, Freundlichkeit und Verzeihen zeigen; so wie der Grinch es den Whos gegenüber getan hat.

Mein Wunsch fürs Neue Jahr ist, dass Euch dieser Artikel in den Sinn kommt wenn Euch das Gefühl von Ungeduld mit einem Mitmenschen greifen will. Mögen Freundlichkeit und Nachsicht Vorrang haben.

Oh es riecht gut, oh es riecht fein …

In 39 Tagen ist Heilig Abend!

Auch in Texas sinken die Temperaturen langsam und wir hatten den ersten Nachtfrost. Die Tiere wollen am zeitigen Morgen gar nicht mehr aus ihrem Unterschlupf raus weil es dort so kuschelig warm ist. Wenn sie dann aber doch vom Futter gelockt sind, steigt der Dampf von ihrem heißen Atem sichtbar in die kalte Luft. Die ersten Zeichen dass der Winter und damit Weihnachten nicht mehr fern sind.

Die Geschäfte haben es auch gemerkt. Alles wird schon festlich geschmückt um die Käufer zu locken. Es wird nicht lange dauern und die Läden sind wieder prasselvoll mit Dekor, Geschenkartikel die der Mann oder die Frau schon immer haben wollte, Spielsachen die jedes Kind begehrt, und die neuesten elektronischen Geräte ohne die man nicht leben kann. Halloween ist zum Glück vorbei. Wenn wir nun bloß noch Erntedank Ende November über die Runden bringen, dann können wir uns endlich voll und ganz in den Weihnachtswahn stürtzen!

In 39 Tagen ist Heilig Abend!

38 davon werde ich mich nicht verrückt machen mit Haus von innen und außen wie einen Weihnachtsmarkt zu putzen und krampfhaft nach Geschenken zu suchen die der Empfänger entweder schon hat oder nicht wirklich möchte, und nur selten wirklich braucht oder nutzen wird.

Ich werde die Tage besinnlich wahrnehmen.

  • Ein paar Stunden nutzen um meine Rachermänn’l aufzustellen und den Baum zu schmücken
  • Stollen und Weihnachtsplätzchen backen
  • Zeitig aufstehen um einen schönen Sonnenaufgang zu beobachten und mich vom Frost in die Nase beißen lassen
  • Vor Sonnenuntergang zu Hause sein um zuzuschauen wie die Sonne hinter den Bäumen versinkt
  • Mit dem Fotoapparat auf Erkundungsgang nach interessanten Motiven gehen
  • Beim Duft des Rachermänn’ls Weihnachtsplätzchen mit Tee genießen  und dabei Blogs lesen und schreiben
  • Mit meiner Familie die Weihnachtsparade Parade of Lights in Fort Worth sehen
  • Eine Naturwanderung machen
  • Road Trip!

Am Heiligen Abend ist dann Bescherung. Wie letztes Jahr, wird es keine materiellen Geschenke geben. Ich schenke meiner Familie Zeit miteinander um Stollen und Plätzchen zu essen und zu plaudern. Freunden und Arbeitskollegen schenke ich eine Spende in deren Namen für einen gemeinnützigen Zweck. Letztes Jahr habe ich die Gebühr für den 5km Lauf Race for the Cure (Brustkrebs) geschenkt und dann sind wir im Frühjahr gemeinsam 5km gelaufen. Ich denke davon hatten wir ALLE mehr als von einem Bilderrahmen, Hand Lotion, oder Duftkerzen.

Geniesst die Adventszeit und erlaubt dem Stress keinen Zutritt in Euer Haus und Herz!

Nur drei Löffel?

Na ganz so extrem ist es nicht. Aber mein Haushalt ist essentiell auf drei Personen eingerichtet und wir haben selten Besuch. Als mein Bruder und seine Frau uns dieses Jahr besuchten, hat mein Bruder gefragt warum wir denn so wenig Besteck hätten. Meine Kurtzantwort war, „weniger Arbeit“. Das ergab für ihn wenig Sinn; schließlich muss man doch genau so viel abwaschen. Damit hat er ja auch Recht.

Die bessere Erklärung ist diese:
Wenn wir weniger [Besteck] (füge jeglichen materiellen Besitztum hier ein) besitzen, dann brauchen wir weniger Platz um [das Besteck] aufzubewahren. Je weniger Platz wir brauchen und je geringer die Stückzahl, um so weniger müssen wir in Ordnung halten. Und wenn die Zeit kommt es zu ersetzen, geben wir weniger Geld aus für die geringere Stückzahl oder kaufen bessere Qualität für die selbe Summe. Durch die bessere Qualität hält es länger und muss nicht so bald ersetzt werden.

Fazit: Je weniger man besitzt um so mehr Zeit und Geld hat man für die Dinge die wirklich zählen.