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Ich trödle schon immer rum am Morgen und verbummle viel Zeit dabei.

Mein Bruder kann davon Geschichten erzählen! Da unsere Eltern früh auf die Arbeit mussten als wir Kinder waren, hatte er als großer Bruder die Verantwortung die Wohnung zu verschließen und uns pünktlich auf den Weg zu bringen. Ich war in der 1. Klasse und bin zu meiner Schule im Dorf gelaufen. Er musste zum Schulbus. Ich habe, wie immer, getrödelt. Ich war nicht fertig. Was blieb meinem Bruder weiter übrig als mich mit Strumpfhose und Unterhemd am Leib vor die Wohnungstür ins Treppenhaus zu setzen? Er hat mir allerdings, verantwortungsbewusst, den Rest meiner Kleidungsstücke in den Schoß geschmissen.

Ich lasse mir immer noch gern meine liebe Zeit am Morgen. Ich stehe sogar eine halbe Stunde eher auf um bummeln zu können. Was ich aber auch gerne mache seit wir auf der Ranch wohnen, ist in der Stille der Dämmerung eine Tasse Kaffee auf der Terrasse zu trinken und an der frischen Luft Morgengymnastik zu machen.

Eine Bekannte schrieb in ihrem Blog wie sie Zeit vergeudet die sie zum Meditieren nutzen könnte und hat daher ihre Duschzeit am Morgen auf acht Minuten reduziert. Das war Ansporn für mich. Ich habe meinen count-down an meiner Uhr auf acht Minuten gestellt. Wenn er abgelaufen ist, wiederholt er sich. Somit wurde meine Morgenhygiene mit 8-Minuten Intervallen von ca. 60-90 Minuten auf 32 reduziert.

  1. Dusche
  2. Zähne und Duscheputzen
  3. Make-Up und Lotion
  4. Haare und Kleidung

Ich stehe immer noch extra zeitig auf. Aber jetzt genieße ich eine Tasse Kaffee mit meinem Mann ehe er auf Arbeit geht. Dann sitze ich mit den Hunden auf der Terrasse und beobachte wie die Sterne langsam in der Dämmerung verschwinden. An Tagen wie heute schreibe oder lese ich Blogartikel. Und dann geht’s auf zu 16 Minuten Morgengymnastik.

Ich habe mehr Energy, bin besserer Laune und erholter wenn ich mich pünktlich auf den Weg begebe.

Ich trödle immer noch herum am Morgen, aber ich verbummle meine Zeit nicht mehr im Badezimmer.  Was würdest du mit der extra Zeit machen wenn du irgendeine Routine minimalisieren könntest?

Meine Trommel Spielt einen Anderen Marsch

Dieser Beitrag ist meiner Freundin Anja Z. gewidmet. Sie gab mir Anregung zu diesem Artikel mit ihrer Frage, „Wie sieht deine Familie das ganze? Ist es für deine Tochter nicht schwer sich gegen den Strom zu stellen?“

Minimalismus ist nicht jedermanns Sache. Für manche Menschen ist es eine bewusste Entscheidung ihren Lebensstil zu ändern. Andere finden sich in einer Situation welche sie zwingt, ihren materiellen Besitztum und auch Wohnraum zu reduzieren.

Egal was der Grund für einen minimalistischen Lebensstil ist, nicht jedes Familienmitglied ist zur selben Zeit bereit den Schritt zu machen oder hat das selbe Tempo auf dem Weg zum Minimalismus.

In unserer Familie war es eine bewusste Entscheidung meinerseits. Kleidungsstücke und Haushaltsartikel waren für mich am leichtesten und daher der Anfangspunkt. Alles andere purtzelte dann so hinterher.

Mein Mann hat generell kaum Anklang an Dinge und daher fiel es ihm leicht zu folgen. (Mal abgesehen von Schrauben und ähnlichem Kleinkram; schliesslich weiss man ja nie wann man’s mal braucht.)

Mit Kindern ist es schwieriger. Meine Tochter und ich unterhalten uns oft wie ich schon wieder einen Sack oder eine Kiste zur Spende gebracht habe. Ich erzähle ihr, wie der verringerte Besitztum mir mehr Freiheiten gibt:

  • Weniger was aufgeräumt und organisiert werden muss
  • Weniger was ersetzt werden muss
  • Die Fähigkeit „Nein“ zu sagen zu den neuesten Artikeln die in der Werbung angeboten werden

Ich brauchte meine Tochter nicht zwingen zu minimalisieren. Irgendwann fing sie von alleine an, ihre Schränke auszuräumen. Sicher fiel es ihr schwer, sich von manchem Kindheitsspielzeug zu trennen. Zum Glück haben wir sie nie mit Spielsachen überschüttet, so dass sie weniger zum aussortieren hatte.

Ich habe sie alleine wählen lassen was bleibt und was geht.

Ansporn für sie war auch der Gedanke, dass sie nächstes Jahr zum Studium geht und viele dieser Sachen auf keinen Fall mitnehemen wird.

Wie bei mir die Schals und bei meinem Mann die Schrauben unangreifbar sind, gibt es für unsere Tochter eine Grossfamilie von Plüschtieren. Von manchen wird sie sich nie trennen und das ist auch gut so. Für die meisten hat sie aber schon Pläne für ein neues zu Hause.

Man kann andere nicht zwingen, einen minimalistischen Lebensstil anzunehmen und man kann, und sollte, auch nicht versuchen, andere davon zu überzeugen dass es die beste Lebensweise ist. Ich teile gerne meine positiven Auswirkungen des Minimalismus mit. Aber im Endeffekt muss jeder für sich selbst wählen welche Lebensweise ihn glücklich und zufrieden macht.

Hinterlasst hier Fragen und Kommentare; das ist für mich und Euch Gedankenfutter.